Mikrofon Review

Der Herbst wird rhythmisch
November 3, 2018

Mikrofon Review

Haun MBNM 440 vs Line Audio CM3

Ich stelle hier 2 meiner Overhead Mikrofonpaare in einem kurzen Mikrofon Review vor: Haun MBNM 440 und Line Audio CM3

Haun MBNM 440:

Die in Obrigheim (Deutschland) hergestellten Kondensatormikrofone bestechen durch eine äußerst hochwertige Verarbeitung, hohe klangliche Transparenz (mit einer leichten Höhenanhebung ab rund 7 – 8 kHz und einem Bass Roll-Off ab in etwa 150Hz), wunderbarer Feinzeichnung und einem Impulsverhalten bzw. einer Auflösung, die sonst nur die Mikrofone der Spitzenklasse aufweisen.

Gerade in der Anwendung als Overheads kommt den Mikros der leicht abfallende Bereich im Bassspektrum sehr zugute, da die Frequenzen unterhalb 100 Hz (die meist ohnehin herausgefiltert werden) oft und gerne zu einem Wummern oder Dröhnen führen können. Überdies wird dadurch der Nahbesprechungseffekt bewußt reduziert, sodaß es auch bei der Mikrofonierung von z.B. klassischen Gitarren zu keiner Überzeichnung des tieffrequenten Spektrums kommt. Was aber nicht heißt, daß hier keine Informationen vorliegen. Die „Bässe“ können mühelos mit einem wohl dosierten Griff zum EQ nachmodelliert werden.

Der dezente Boost ab rund 7 – 8 kHz sorgt für etwas „Frische“ im Klang und unterstreicht die großartige Feinzeichnung und Impulstreue der Mikros ohne jemals harsch oder spitz zu klingen. Selbst wenn man sich mal beim Mischen „verschraubt“ klingt das Signal immer noch gut – verbogen aber ohne jemals zu „schmerzen“. Die Richtcharakteristik entspricht einer reinen Niere. Von hinten einfallender Schall wird weitestgehend ungefärbt übertragen, was sich sehr positiv auf den Gesamtsound auswirkt.

Die Mikros sind hochwertige Produkte in einem leistbaren Bereich – Boutiquequalität für einen mehr als akzeptablen Preis – die keinen Vergleich zu den Mikrofonen der Spitzenklasse zu scheuen brauchen (freilich merkt man Unterschiede, aber für diese Mikros muß man auch den mehr als doppelten Preis hinlegen – und der will auch gerechtfertigt sein).

Der Kundenservice bei Haun ist vorbildlich: Nach einem sehr ausgiebigen und überaus freundlichen Telefonat mit Herbert Haun und der daraus folgenden, großartigen Beratung, bekam ich die Mikros zur Ansicht bzw. zum Antesten zugeschickt. Bei Gefallen behalten, sonst einfach zurück schicken. TOP!!! Ich habe die Investition nie bereut.

Hier ein Vergleichstest der beiden Mikrofonpaare:

Haun MBNM – kein EQ, kein Kompressor, etc:  

Oben: Haun MBNM 440; unten: Line Audio CM3

Line Audio CM3 – kein EQ, kein Kompressor, etc

 

Line Audio:

Die in Schweden in Handarbeit hergestellten Mikros gelten als „der Geheimtip“ unter den Kleinmembran – Kondensatormikrofonen. Bei meinen Recherchen im Internet bin ich immer wieder mal über die CM3 gestolpert, hab ihnen aber wenig Beachtung geschenkt. Erst ein Tipp des Technikers eines Musikclubs hat mich doch neugierig gemacht. Genauere Nachforschungen haben mich dann überzeugt, mir mal ein Paar CM3 zum Testen zu holen – dies ist über Holger Siedler von THS – Medien möglich. Die Kommunikation war auch hier überaus zuvorkommend, freundlich und hilfsbereit.

Erster Eindruck: Ich staunte nicht schlecht, als ich erkannte, wie klein diese Kondenser tatsächlich sind. Sie sind nicht viel größer als ein XLR – Stecker. Umso beeindruckender war dann der Klang. So wie es der Frequenzplot vermuten läßt, spielen diese Mikrofone nahezu linear über das gesamte Frequenzspektrum von 20 Hz bis 20 kHz – lediglich ein leichter Abfall bei rund 18kHz um in etwa 2 dB ist hier auszumachen. Ansonsten klingen diese Teile einfach hervorragend. Kein Frequenzbereich ist über oder unterrepräsentiert, die Feinzeichnung auf höchstem Niveau, das Impuslverhalten bemerkenswert, ……… und der Preis läßt einen einfach nur staunen – so viel Mikro für so wenig Geld.

Die Richtcharakteristik entspricht einer breiten Niere. Dies machte mich zu Beginn etwas stutzig – ob das bei den Drums als Overheads funktioniert? Der Test hat mich eines Besseren belehrt: Das funktioniert großartig. Besonders, weil die CM3 auch den seitlich und von hinten einfallenden Schall nahezu linear übertragen, sodaß es hier zu keinerlei Verfärbungen kommt. Somit klingen die Aufnahmen überaus natürlich, „rund“ und voll. Wenn man ein Drumset mit wenigen Mikrofonen abnehmen und dennoch einen vollen, warmen, runden Klang haben möchte, ist man bei diesen Mikrofonen goldrichtig.

Durch den linearen Frequenzverlauf kann sich allerdings der Nahbesprechungseffekt bei Mikrofonierung mit geringem Abstand relativ stark bemerkbar machen. Dieser ist aber wirklich leicht zu kontrollieren, da die Mikrofone in Bezug auf deren Positionierung recht unempfindlich sind.

Kein Wunder, daß die Line Audio CM3 mit Größen wie Neumann KM184, Sennheiser 8040, DPA oder Schoeps MK4 verglichen werden. Freilich lösen die genannten Edelmikros noch etwas feiner auf, zeichnen einen ticken besser. Aber in Anbetracht dessen, daß man für diese Mikrofone weit mehr als den dreifachen Preis hinblättern darf und der Unterschied im direkten Vergleich zwar hörbar ist aber nicht massiv ins Gewicht fällt, sind die CM3 ein wahrer Geheimtipp wenn es darum geht Kleinmembrankondensator Mikrofone im Spitzenklasse-Niveau zu einem mehr als erstaunlichen Preis zu erhalten.

Fazit:

Beide Mikrofonpaare sind es wert, einem persönlichen Test unterzogen zu werden.

Viel Spaß!!

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